Wir, die Erwachsenen haben genaue Vorstellungen wie wir
etwas fotografieren. Durch die typischen Gestaltungsmerkmale gleicht ein
Bild dem Anderen. Unten ist der Boden , im oberen Teil des Bildes der Himmel
und so ziemlich Mittig findet man das Hauptobjekt. Wenn denn auch noch die
Füße richtig drauf sind, haben wir das perfekte Bild. Auch wissen wir, dass
man nicht gegen das Licht fotografiert oder gar mit Blitz auf eine
Fensterscheibe zielt, denn so ergeben sich Schönheitsmängel für das Bild.
Also müssen wir auch noch die Richtung wählen aus der wir fotografieren. Im
Großen und Ganzen bedeutet es viel Übung und Erfahrung um so ein perfektes
Bild zu knipsen. Doch viel schwieriger wird es für unsere geschulten Augen
zu fotografieren ohne die Kriterien zu beachten. Bei vielen Versuchen werden
wir uns meist dabei erwischen, das Bild doch irgendwie bewusst zu
Gestallten.Spontane Fotografie entsteht wohl eher durch Zufall oder es
ist eine Kunst dies zu können. Kinder beherrschen noch diese Kunst, die uns
von der „Sonnengruppe" präsentiert wird.
Besonders zu beachten ist, dass alle Bilder aus der
„Bauchnabelperspektive" fotografiert sind. Ferner sehen die Kinder ihr Motiv
dreidimensional. Sie schauen mit einem Auge durch den Sucher und mit dem
anderen Auge an der Kamera vorbei, sodass der Ausschnitt nicht genau
wahrgenommen werden kann. Der Bildausschnitt ist zufällig. Das Anschneiden
des Motivs regt die Phantasie des Betrachters an, indem er sich die
fehlenden Bildteile dazu denken muss. Kinder halten die Kamera meist
waagerecht. Dabei ist die Kamera nicht immer genau ausgerichtet. Die so
entstehenden schrägen Linien lassen das bild dynamisch wirken. Durch
fehlende „bewusste" Gestaltung wirken die Bilder sehr spontan, ungefiltert
und authentisch, sozusagen direkt erlebt.
Zu diesem Projekt kam die Sonnengruppe des Kindergartens über
das Thema „Die Welt der Sinne".
Das letzte halbe Jahr haben sich Anne-Kathrin Hille (Erzieherin) und
Mario Lilienthal (Sozialpädagogischer Assistent) mit ihrer Gruppe intensiv
mit den Sinnesorganen beschäftigt. Es wurden viele Aktionen zum Thema
„Fühlen", „Riechen", „Hören", „Sprechen", „Schmecken" und „Sehen" angeboten.
Über das „Sehen" kam die Gruppe zum Fotografieren.
Von der Fotodesignerin Heidi Klinner-Krautwald aus Lütjenburg holte sich
Anne-Kathrin Hille im Rahmen einer Fortbildung viele praktische und
theoretische Anregungen zum Thema Fotografieren mit Kindern.